Recyclebarkeit · 15. April 2026 · 3 Min. Lesezeit
Recyclebarkeits-Grade A–E erklärt: Was bedeuten sie für Ihre Verpackung?
Grade A bis E nach PPWR Art. 6: Praxisbeispiele für Karton, PE-Folie, Glas und Kosmetikverpackungen. Ab 2030 entscheidet der Grade über den EU-Marktzugang.
Mit Art. 6 PPWR führt die EU eine fünfstufige Recyclebarkeits-Klassifikation ein. Grade A bis E entscheiden ab 2030 über den Marktzugang — Grade D/E-Verpackungen verlieren ihre Verkehrsfähigkeit. Was bedeutet das für Ihre Verpackungsentwicklung?
Warum hat die PPWR ein Grading-System eingeführt?
Bisher fehlte eine einheitliche Methode zur Bewertung von Verpackungsrecyclebarkeit. Hersteller berechneten unterschiedlich, Recycler maßen unterschiedlich, Behörden hatten keine Vergleichsbasis. Die Grade-Skala A–E schafft einen EU-weiten Standard, der den Materialeinsatz, die tatsächliche Sortier- und Recycling-Wahrscheinlichkeit unter realen EU-Bedingungen bewertet.
Grade A bis E: Die Klassifikation im Detail
Grade A: ≥95% Recyclebarkeit
Höchster Grade. Beispiele: PET-Flasche (transparent, ohne Sleeve), Wellpappe unbedruckt, Glasflasche, Aluminiumdose. Diese Verpackungen können vollständig in den Recyclingstrom zurückgeführt werden.
Grade B: ≥80% Recyclebarkeit
Sehr gut recycelbar. Beispiele: HDPE-Flasche, Karton mit niedrigem Druckanteil (unter 30%), PP-Becher Mono-Material.
Grade C: ≥65% Recyclebarkeit
Gute Recyclebarkeit, aber mit Einschränkungen. Beispiele: PE-Folie (Mono-Material), bedruckter Karton mit hohem Druckanteil, Mischkunststoff-Becher mit Sleeve.
Grade D: ≥50% Recyclebarkeit
Eingeschränkt recycelbar. Beispiele: Verbund mit niedrigem Fremdmaterialanteil, mehrschichtige PET/PE-Verbunde, Tube-Verpackungen mit Aluminiumbarriere. Achtung: Grade D-Verpackungen müssen ab 2030 schrittweise reduziert werden.
Grade E: unter 50% Recyclebarkeit
Schlecht recycelbar. Beispiele: Aluminium-Kunststoff-Verbunde (z.B. Kaffeekapseln), komplex bedruckte Kosmetik-Verpackungen mit Folierungen, Tetra-Pak mit hohem Aluminiumanteil. Ab 2030: Marktverbot.
Wie wird der Grade ermittelt?
Grundlage ist das EU-Guidance-Dokument vom 30. März 2026. Es enthält für Standard-Materialien Default-Werte, die ohne externes Gutachten verwendet werden können. Bei Sondermaterialien (Verbundfolien, ungewöhnliche Beschichtungen) bleibt eine Einstufung durch ein Prüfinstitut wie cyclos-HTP sinnvoll — kostet aber 800–2.000 EUR pro Material.
Welche Materialien sind besonders gefährdet für Grade D/E?
- Komplex bedruckte Kosmetikverpackungen (>50% Druckanteil)
- Mehrschicht-Verbundfolien mit Aluminium- oder EVOH-Barrieren
- Aluminium-Kunststoff-Verbunde
- Verpackungen mit dunklen Pigmenten (NIR-Sortierung schwierig)
- PET-G und PVC-Verpackungen
Was bedeutet Grade D/E für meine Verpackung ab 2030?
Grade E-Verpackungen verlieren 2030 die Marktzugangsberechtigung — das ist faktisch ein Marktverbot. Grade D-Verpackungen müssen sich schrittweise reduzieren. Wer heute mit Grade D oder E produziert, sollte sofort Redesign-Projekte starten:
- Mono-Material statt Verbund
- Druckanteil reduzieren
- Helle statt dunkle Pigmente
- Wiederablösbare Etiketten und Sleeves
Wie fließt der Grade in die Konformitätserklärung ein?
Der Recyclebarkeits-Grade ist Pflichtbestandteil der DoC nach Art. 39. Bei Grade D oder E muss zusätzlich der Plan zur Verbesserung dokumentiert werden — eine Art "Roadmap zur Konformität".
Fazit: Jetzt prüfen, Redesign früh erkennen
Die Grade-Klassifikation entscheidet über Ihren langfristigen Marktzugang. Lassen Sie Ihre Hauptverpackungen jetzt einstufen — entweder mit EU-Default-Werten (kostenlos in PPWR-Konform) oder mit cyclos-HTP-Gutachten für Sondermaterialien. Wer 2026/2027 erkennt, dass Verpackungen Grade D oder E sind, hat noch 3 Jahre Zeit für Redesign — wer es 2029 erkennt, riskiert Lieferengpässe.
PPWR-Konform unterstützt Sie bei diesem Schritt
Probieren Sie den Wizard kostenlos in der Beta — keine Kreditkarte nötig.
Beta kostenlos testen